Interview mit Sophie & sasan - thema umweltschutz

Aktualisiert: 6. Aug 2019

Wie seid ihr zu dem Studium Umweltschutz gekommen?

Vor 4 Jahren sind wir nach Indien gereist, weil uns eine Freundin von einem nachhaltigen Projekt namens „Sadhana Forest“ erzählt hat. Wir haben dort 2 Wochen in einer Art Community gelebt, wo Jeder verschiedene Aufgaben hat, wie zum Beispiel Frühstück vorbereiten, sich um den Kompost kümmern, Bäume pflanzen und gießen usw. Bei dem Projekt ging es hauptsächlich um die Wiederaufforstung eines abgeholzten Waldes. Heute kann man dort wieder zahlreiche Tiere finden, die auch früher dort gelebt haben. Ich hatte eigentlich schon einen Ausbildungsplatz in Berlin und mein Freund, Sasan wäre wohl in die Richtung Mediendesign gegangen. Aber an einem Tag kam meine Freundin zu mir und sagte mir, sie wolle nicht wieder zurück nach Deutschland und möchte ein eigenes Projekt starten. Das löste bei Jedem eine Art Kriese aus und so kam es, dass ich meinen Ausbildungsplatz abgesagt habe und mich entschied, etwas Nachhaltiges zu studieren. Als wir wieder in Deutschland waren, haben wir uns informiert, wo es überhaupt Studiengänge in diese Richtung gibt und so sind wir auf das Umweltschutz- Studium in Bingen gestoßen.


Was waren die wichtigsten Erkenntnisse während des Studiums?

Dass alles zusammenhängt und schwer zu trennen ist. Bei Planungen muss man alles so gut es geht berücksichtigen, daher brauch man meistens verschiedene Fachleute, mit denen man auf einen gemeinsamen Nenner kommen muss. Bei Umweltschutz geht es um alles, was um uns herum ist, der Mensch miteingeschlossen. Daher sollten wir uns nicht über alles andere stellen und die Natur um uns herum zerstören, denn sonst fallen die Probleme auf uns zurück.


Welche Auswirkungen hat unser Konsum auf die Umwelt?


Die Gesellschaft, in der wir leben, strebt immer danach, mehr zu kaufen. Wir sind nie zufrieden mit dem, was wir haben. Das Auto muss größer oder schneller sein, das Haus schöner und prachtvoller und selbst wenn das Handy noch gut funktioniert, möchten wir dennoch das neuste Smartphone in den Händen halten. Nachhaltig ist das nicht gerade. Für Elektronik werden Unmengen an Ressourcen verbraucht und benötigt, die natürlich importiert werden müssen- meist aus Entwicklungsländern. Ich denke das ist den meisten gar nicht bewusst. Die Kleider, die wir kaufen sollen von bekannten Marken, aber dennoch günstig sein. Die Arbeitsbedingungen der Menschen, die diese herstellen, werden dabei nicht berücksichtigt. Wenn ein T-Shirt beispielsweise 30€ kostet und in einigen Wochen um 70% heruntergesetzt wird, bedeutet das, dass sich das Geschäft das leisten kann, da es um einiges günstiger hergestellt wurde, meistens von Kindern. Viele Marken werben mittlerweile dafür, dass sie umweltbewusst wären, obwohl sie es nicht sind. Das nennt sich „Greenwashing“. Die Dinge, die wir kaufen, machen uns jedoch nur auf kurze Dauer glücklich und wenn es uns wieder schlechter geht, gehen wir eben wieder Shoppen.

In den westlichen Ländern haben wir erlebt, dass die Leute beim Shoppen sehr viel Geld ausgeben, dann aber das billigste Fleisch im Einkaufswagen landet. Sie machen sich nicht wirklich Gedanken darüber, wo dieses herkommt oder haben keinen Bezug dazu. Die Fleisch- und Milchindustrie ist einer der größten Klimasünder. Außerdem geht für die Viehhaltung sehr viel Fläche verloren, zum einen für die Massentierhaltung selbst, zum anderen für den Anbau von Soja und anderen Futtermitteln. Diese Fläche könnte für Obst- und Gemüseanbau genutzt werden und würde viel mehr Ertrag für die Weltbevölkerung liefern.

Zusammenfassend möchten wir damit sagen, dass es nicht um den Konsum an sich geht, sondern um die Menge, in der wir die Dinge konsumieren. Wir müssen nicht jeden Tag Fleisch essen oder immer wieder neue Kleider kaufen, die wir nicht brauchen. Es gibt mittlerweile so viele Alternativen, die wir auch nutzen sollten.


Wie können wir den Klimawandel vorbeugen?


Den Klimawandel „verhindern“ wird nicht funktionieren, denn er ist tatsächlich natürlich. Allerdings beschleunigen wir Menschen ihn um ein 100-faches durch die Emissionen, die wir durch unser Verhalten produzieren. CO2 ist an sich gar nicht so ein großes Problem, Methan und Lachgas dagegen wirken 28-mal bzw. 265-mal klimawirksamer. Allerdings macht die Menge das Gift und da CO2 fast überall ausgestoßen wird, trägt es am meisten zum menschengemachten Klimawandel bei. Hauptsächlich entsteht es bei der Verbrennung von Kohle, Erdöl oder Erdgas, durch den Verkehr sowie die Industrie. Wenn wir also die Möglichkeit haben, auf erneuerbare Energien als Stromlieferanten zurückzugreifen, sollten wir diese nutzen. In die Stadt können wir mit dem Fahrrad oder dem Bus fahren, anstatt immer das Auto zu nehmen. Methan und Lachgas können wir dagegen nur indirekt vermeiden, denn diese Gase entstehen hauptsächlich bei der Massentierhaltung. Daher gilt es auch hier, auf unseren Konsum zu achten, denn unser Einkaufszettel ist quasi auch ein Wahlzettel. Es gibt immer mehr Leute, die sich vegetarisch oder vegan ernähren, deshalb gibt es auch immer mehr Angebote und sogar Firmen, die sonst nur Fleisch verkauft haben, überlegen sich schon, nur noch Ersatzprodukte anzubieten. Wir denken, der wichtigste Punkt ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen, damit die großen Firmen und Politiker merken, wie wichtig es ist, etwas zu ändern. Jeder sollte versuchen, aktiv zu werden und nicht darauf warten, dass sich die Politik ändert. Daher finden wir, dass die „Fridays for Future“- Demos durchaus etwas bewirken können, wie man schon bei der letzten Europawahl gemerkt hat. Es ist wichtig, gehört zu werden und da man als einzelner Bürger nur sehr schwer etwas bewirken kann, muss man es als Gruppe tun.


Was können wir tun für ein umweltbewussteres und nachhaltigeres Leben?


Darauf achten, was wir kaufen und wo es herkommt. Regional und wenn möglich saisonal einkaufen und auch mal auf etwas verzichten können, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Das bedeutet nicht, dass wir komplett auf Fleisch verzichten müssen. Einmal die Woche, statt jeden Tag Fleisch zu kaufen, bewirkt auch schon einen Unterschied. Zum Einkaufen können wir außerdem eigene Taschen und Obstbeutel mitnehmen, um dem Plastikkonsum entgegenzuwirken. Wir können Flohmärkte besuchen oder Kleider online gebraucht kaufen, Elektronik können wir ebenfalls gebraucht kaufen. Wir müssen den großen Konzernen wie zum Beispiel Nestlé entgegenwirken und den Geschäften aufzeigen, dass es Alternativen gibt. Wenn mehr Leute auf diese Probleme aufmerksam gemacht werden, können wir eine Veränderung bewirken.


Wie sieht euer Alltag aus? Was macht ihr für die Umwelt?


Wir versuchen so gut es geht auf Plastik zu verzichten. Bei uns in der Nähe gibt es einen Unverpackt-Laden und am Wochenende findet ein Gemüsemarkt statt, wo wir manchmal verpackungsfrei einkaufen. Ich lebe seit 2 Jahren vegan, Sasan ist seit längerem vegetarisch, daher kaufen wir keine Milch, Eier und Fleisch, nur noch Käse. Wir treffen uns zudem einmal im Monat mit Freunden, die ebenfalls vegan oder vegetarisch sind und kochen zusammen oder Jeder bringt etwas zu essen mit. Das macht sehr viel Spaß und es ist toll, neue Rezepte ausprobieren zu können. Seit kurzem gibt es die „Fridays for Future“- Demo, bei der wir auch mitmachen, um für das Klima zu demonstrieren und den Leuten die Augen zu öffnen. Natürlich können dort auch Erwachsene mitmachen, nicht nur Schüler und Studenten. Außerdem versuchen wir alles zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu erledigen, ein Auto wäre uns sowieso zu teuer.


Ein paar Worte zum Schluss?


Wie schon erwähnt, muss man nicht auf ALLES achten, das wäre überhaupt nicht möglich. Bei uns ist das Manko das Reisen, auf das wir nur schwer verzichten könnten. Jeder muss seine eigenen Prioritäten setzen und nur weil wir vegan/ vegetarisch leben, heißt das nicht, dass wir auf alles andere auch verzichten müssen. Wir tun, was wir können und wägen vorher ab, was uns wichtig ist und wie wir die Emissionen kompensieren können. Wir finden jeden kleinen Schritt in die richtige Richtung schon bemerkenswert. Zudem sollten wir nicht vergessen, dass alles zusammenhängt und die Schäden, die wir der Natur zufügen auch irgendwann wieder auf uns zurückfallen können. Daher ist es wichtig, kritisch zu bleiben und Dinge zu hinterfragen oder selbst etwas zu ändern.


Be the change you want to see in this world“. (Mahatma Gandi)


Vielen Dank Sasan und Sophie für das interessante Interview und dass ihr Zeachild so toll unterstützt! #spreadlovenottrash


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